German Open 2019, 04. Januar, Veitsbronn

Eisschwimmen: Am Nullpunkt

veitsbronn 2019Auch 2019 war der SB Delphin, vertreten durch Andreas Bergler, mit dabei.
Hier seine Eindrücke vom Wettkampf:
Was mach‘ ich hier eigentlich? Und warum bin ich überhaupt hier? Das frage ich mich zwischen der zehnten und 15. Bahn bei der fünften deutschen Meisterschaft im Eisschwimmen, der „German Open“ in Veitsbronn. Das Wasser hat 1,4 Grad, ist also nahe am Gefrierpunkt. Mein Ziel ist, die 1.000 Meter in 22 Minuten zu erreichen. Das war wohl zu ehrgeizig, denn ich merke, dass mir die Kräfte dafür schneller ausgehen als gedacht. Dafür finde ich langsam eine Antwort auf eine der Fragen: Ich bin hier, weil ich vorher wohl ins Wasser gegangen bin, um zu schwimmen! Scheint logisch und einfach – oder macht die Kälte mich verrückt? Bei den Temperaturen fällt mir im Lauf der Zeit nicht nur die Bewegung, sondern auch das Denken schwerer...
Langsam finde ich wieder Ansätze eines Rhythmus, kämpfe aber immer mehr, mich auf Linie zu halten. Meine Begleiter und das Publikum feuern mich so sehr an, dass ich auf den letzten 300 Metern doch noch irgendwie Vortrieb habe. Mit gut 25 Minuten komme ich aus dem Wasser und sitze erst mal in der Umkleide. Zittern muss ich diesmal kaum, nur bin ich eine Zeitlang zu schwach, um aufzustehen und in den Aufwärm-Bottich zu gehen. Nahe am Nullpunkt eben. Im lauwarmen Zuber sitze ich dann wie einer der japanischen Paviane, die sich im Winter im Wasser aufwärmen. Eigentlich ist es klar, warum ich mitgeschwommen bin: Einfach, um Spaß zu haben und das zu genießen, was mir schon so viel gegeben hat: die Kälte, der Nullpunkt.